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Vögel auf Stromleitungen (09.2014)

Vögel auf StromleitungenAlles bewegt sich.
Alles wird gleich.
Alles bleibt anders.
Nichts ist schwarz-weiß.
-Und erst recht nicht einfach.

Mir ist schwindelig

Alles wie immer
Alles war besser
Alles wird schlimmer
Also alles wie immer
Gestern.
Danach heute:

Manchmal bleiben wir stehen
Versuchen einzusehen:
Was uns vereint,
Ist was uns verneint.
Was uns verneint
Ist was uns vereint
Und dann die Erkenntnis:
wir verstehen eigentlich gar nichts –
und haben viel zu viel Verständnis

Die Welt ist mir zu hoch
Mir ist schwindelig
Es regnet so laut,
ich höre nichts
schaue ich in den Spiegel
seh’ ich nur das, was da ist
ich, ich, ich
nur ich…

Mir ist schwindelig

Wir sind allein.

Auf dünnen Drähten
Fand ich den Weg zu dir,

verbunden durch frühe Fehler
stehen wir kurz hier
wir für uns
und jeder für sich
Mir ist schwindelig

Und jeder weiß
das alles zerreißt

Bist du gesegnet,
mit der Tugend dieser Zeit,
dann ist dein Weg geebnet
mit Unverbindlichkeit

Mir ist schwindelig

Alles bewegt sich.
Alles ist gleich.
Alles bleibt anders.
Nichts ist schwarz-weiß.
-Und erst recht nicht einfach.

Als Produkt von Langeweile,
als Ergebnis unserer Zeit
Sprechen wir BUNT
Auf beiden Seiten des Regens
Spreizen die Lippen, gemacht aus Ahnungslosigkeit
Und lassen alles rein.
Alles raus

Mir ist schwindelig

Die Augen aus Glas.
Glas – leer
Leer. Mehr. Mehr.
Unsere Bäuche voll, schwer
Und die Flügel aus Leichtsinn
Zum Fliegen zu schön,
Die Federn könnten welken
Darum bleiben wir schmuckhaft stehen
und stecken,
haften am Stand
In Eitelkeit Amen
Und die Welt regnet
standhaft weiter, weiter, weiter

Mir ist schwindelig

Den Schatz, den wir erbten
weiß keiner zu schätzen;
Und jeder Aufstand beginnt,
Sich wieder zu setzen

Die Welt dreht sich weiter
Und ich halt mich an ihr fest
Die Füße unter Strom
Ich flieg trotzdem nicht weg

Hätt’ ich eine Stimme,
hätte ich auch was zu sagen.
Hätte ich Verstand,
Hätte ich die Welt dann verstanden?

Mir ist schwindelig

Alle machen doch nur ihren Job
Alle machen doch nur ihren Job
Nicht mehr
Nicht weniger

Wir ertragen so viele
Einträge
Verträge
Anträge
Halten uns an diesen Wolken fest
In Sicherheit wiegen, bis zuletzt
Alles ist statisch
Aber eigentlich haltlos
Denn wenn die Revolution kommt
Wirst auch du deinen Job los

Du hast nichts
Die Welt ist zu hoch
Dir wird schlecht –
Und schwindelig

Auf der Suche nach mehr
Auf der Suche nach Sinn
Alles vor uns ist leer
Alles vor uns ist weiß
Ein letztes Mal stehen
Und wir drehen uns im Kreis

Schwindelig
Als wir uns wie Windmühlen durch den Windwühlen
…Dann fliegen

Alles bewegt sich.
Alles wird gleich.
Alles bleibt anders.
Nichts ist schwarz-weiß.
-Und erst recht nicht einfach.
Also alles wie immer.

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Über den Autor

Veröffentlicht von

Dean Ruddock wurde 1992 als Frühlingskind im für ihn prägenden Paderborn geboren. In den Nachbardörfern dieser Stadt verbrachte Dean seine Kindheit zwischen Rapsfeldern und Legosteinen. Er entdeckte noch im Schulalter das Poetry-Slam-Format für sich, landete mit seinen Auftritten schnell Erfolge und gewann zum Beispiel den OWL-U20-Slam 2010. Heute zieht Dean als Musiker, Spoken Word-Artist, und Slam Poet durch die Lande. Die metaphorisch verpackten, Gedanken des Paderborners spiegeln das Zeitgefühl der Postmoderne wieder. Dean gewann 2013 die Paderborner Stadtmeisterschaft und 2014 den zweiten Paderborner Videoslam. Als Student der Populären Musik und Medien der Uni Paderborn übernahm er 2012 die von Sulaiman Masomi 1998 gegründete „Lyriker Lounge“ und gründete 2015 zusammen mit anderen, regionalen Künstler_innen das Kunstformat „Das ubiquitäre Quintett“. Er ist Organisator der Konzertreihe „Popkon“ im Café Kleidsam, Ausrichter des Paderborner Videoslams und anderer Veranstaltungen. Seit 2014 führt er in Zusammenarbeit mit der Lektora GmbH und Karsten Strack Poetry Slam-Workshops in Schulen und anderen Einrichtungen durch. -Robin Laufenburg

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