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Niemandsland (06.2014)

Über das Gefühl, wenn man nicht willkommen ist.

Es wurde alles gesagt,
aber noch nicht von mir
Auf Bordsteinen
Und Straßenrändern
Stehen die Fressen Spalier
Mit dem Pinsel in der Hand
Wartend auf den Messias aus Papier

Man fühlt sich verfolgt,
bedroht und beengt.
Wird der eigene Name
auf ein Stückchen Bedeutung gezwängt,

Deshalb nahm ich meinen,
Vergrub ihn im Dreck
Denn den, nehmen die mir
Nicht auch noch weg

Ich gab doch schon alles
Und ließ mir nichts nehmen
In der Hoffnungs das was bleibt
Doch. Hier. Bleibt. Alles. – stehen

In der einen Hand nur Pathos
In der anderen höchstens Kitsch
Dieselbe strecke ich aus,
halte sie ins Licht
vielleicht bringt das ja was
was anderes bleibt mir nicht

Und so wandele ich wie so oft
zwischen Nebel und Bäumen
Um ein Ziel zu finden
Und vom Leben zu träumen

Die Schwarzen, auf den Bäumen
Kotzen Krähenschreie aus
„Los, kehr um,
geh (zurück) Nachhaus“
Doch gibt es kein Zuhause –
Gebaut wurde ein Heim
In lauter Heimatlosigkeit
Ein Kissen auf Stein
Ein Warten auf Zeit

Nimm meine Hand, Feuer
Und du die andere, Nacht
Gebt mir einen Gedanken,
der alles besser macht und
Tragt mich aus der Welt,
in der ich schwimme…
wie ein Vogel im Meer
wie ein Fisch, auf Beton und Teer

Doch Hand und Kopf bleiben leer
Rauch
Schall
Ein Blick raus ins All
Zeigt den Himmel verwolken,
und alle Möglichkeiten – gemolken

Gelandet im Land
Ohne Grund, ohne Wert
Gelandet im Land
In das niemand gehört

Mit Steinen auf dem Herzen
Löchern im Magen
Beim Anblick der
nächtlichen Idiotenparaden

Man reiht sich mal ein
hebt den Arm zum Gruß
auf verbrannter Erde
es riecht noch nach Ruß

Du hast Scheiße am Profil
Und bittest um Asyl
Niemand holt dich aus dem Niemandsland!
Das hier ist das letzte Exil.

Trotzdem:
Die Schwarzen, auf den Bäumen
Kotzen Krähenschreie aus
„Los, kehr um,
geh (zurück) Nachhaus“
Doch gibt es kein Zuhause –
Gebaut wurde ein Heim
In lauter Heimatlosigkeit
Ein Kissen auf Stein
Ein Warten auf Zeit

Ein Kopf, wie ein Gummireifen
Es geht immer voran,
aber die Gedanken kreisen
Hals über Kopf
Immer um dieselbe Achse
Über Stock und Stein
oder auch mal eine Katze

Leere, Stillstand,
Pathos und Dreck
Ist alles was uns bleibt,
das nimmt uns niemand mehr weg

Hebst du deinen Arm
verlassen wir das Land
Alles wird gehen
alles in Brand
Nur unser Zeichen bleibt stehen

Die Fressen stehen Spalier
Nehme meinen Namen,
den Rest lass ich hier
vermisch mich mit der Menge
mal sehen, was passiert
bin schwarz
bin weiß
aber kein Messias aus Papier

Niemandsland

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Über den Autor

Veröffentlicht von

Dean Ruddock wurde 1992 als Frühlingskind im für ihn prägenden Paderborn geboren. In den Nachbardörfern dieser Stadt verbrachte Dean seine Kindheit zwischen Rapsfeldern und Legosteinen. Er entdeckte noch im Schulalter das Poetry-Slam-Format für sich, landete mit seinen Auftritten schnell Erfolge und gewann zum Beispiel den OWL-U20-Slam 2010. Heute zieht Dean als Musiker, Spoken Word-Artist, und Slam Poet durch die Lande. Die metaphorisch verpackten, Gedanken des Paderborners spiegeln das Zeitgefühl der Postmoderne wieder. Dean gewann 2013 die Paderborner Stadtmeisterschaft und 2014 den zweiten Paderborner Videoslam. Als Student der Populären Musik und Medien der Uni Paderborn übernahm er 2012 die von Sulaiman Masomi 1998 gegründete „Lyriker Lounge“ und gründete 2015 zusammen mit anderen, regionalen Künstler_innen das Kunstformat „Das ubiquitäre Quintett“. Er ist Organisator der Konzertreihe „Popkon“ im Café Kleidsam, Ausrichter des Paderborner Videoslams und anderer Veranstaltungen. Seit 2014 führt er in Zusammenarbeit mit der Lektora GmbH und Karsten Strack Poetry Slam-Workshops in Schulen und anderen Einrichtungen durch. -Robin Laufenburg

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