Kommentare 0

Das Maisfeld im Wald (9.2015)

1. Das Signal

Ich sitze immer im Zug, wenn mir dieser Traum vom Maisfeld einfällt
Und fühl mich
Entrückt und versetzt
Verrückt und entsetzt
Delokalisiert
Wie wenn man im Zug telefoniert
Und das Signal verliert

„Hallo? Hörst du mich?“
Es wird nicht besser, wenn man schreit.
„HALLO? Die Verbindung ist… “
– Es wird nicht, besser wenn man schreit. –
So funktioniert das nicht.
Aber jeder im Zug weiß jetzt, dass du keine Verbindung mehr hast.
Trotzdem geht es weiter.
Ob du sitzen, bleibst, oder stehst,
dich hinlegst, oder gehst,
ob du willst oder nicht
-es zieht alles weiter, im Zweifel auch ohne dich
Darum heißen Züge auch Züge.
Und nicht Ziegen, oder Böcke, oder bockige Ziegen.
Denn wurde man Druck ausüben, oder schieben, gäb’s einen Schlag, mit dem Hinterlauf, lauf, lauf, auf, schlag lauf…
Lauf.
Kreis, lauf.
Wenn alles ein Kreislauf ist, warum dann vorwärts gehen?

Durch und durch und durch

2. Das Maisfeld im Wald

Jeder ist schon mal im Traum geflogen, oder gefallen.
Aber keiner, wirklich keiner, weiß wie man landet.
Weil man vorher aufwacht,
Aufschlag,
Lid-Schlag.

Ich sehe ein Maisfeld im Wald,
unten im Tal,
die Brücke darüber,
führt einen Weg aus Stahl –
in beide Richtungewiss,
unten ist
ein Maisfeld im Wald.

Das Fichtendickicht
Und das Eichengeäst bilden
Grüne Wände, kein Ende in Sicht,
in sich geschlossen,
ein Kreislauf aus Stahl gegossen.

Ich kann das Viadukt von hier nicht sehen.
Den Weg über’s Tal.
Alle können das verdammte Viadukt sehen, aber ich seh’s nicht.
Die Schienen, denen sie folgen,
den Streif aus Silber,
den roten Faden aus Stahl.

Das, was für dich ist, ist nicht für mich.
Aber ich bemühe mich.
Ich bemühe mich doch.
„Steht’s bemüht.“
Aber nie ganz da.
Nie ganz dabei,
bye, bye.
Alles zieht vorüber,
alles zieht vorbei,
dabei,
sieht man den Wald vor lauter Bäumen
und das Feld vor lauter Mais nicht?
Manchmal weiß ich,
manchmal weiß ich auch nicht.

Wie kann man sich überhaupt verirren, wenn man nie einen Weg hatte?

Irgendwo in der Schwebe, dreidimensional, nichtmal wissen, wo unten ist, unten…

3. Bridge/Brücke

„Hallo?
Wie tief? “
Da unten ist ein Maisfeld im Wald,
ich mittendrin, alles sieht gleich aus,
alles ein Kreislauf,
lauf,

Stop.

Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen,
und du kannst es nicht abstellen,
aber sich sag dir:
jeder ist schon mal im Traum geflogen. Oder gefallen. Aber keiner, wirklich keiner weiß, wie man landet, weil man dann aufwacht, (Aufschlag,) Lid-auf-schlag.

Alles läuft im Kreis, alles zieht vorbei. Auch wenn keiner weiß,

wie das alles geht, kann ich immer noch bleiben,

und fragen,

wie’s dir geht.

-„Hallo. Wie geht es dir?“

In Kategorie: Nachlesen, Von der Startseite entfernen

Über den Autor

Veröffentlicht von

Dean Ruddock, wurde 1992 als Ergebnis verschiedener Migrationsbewegungen in Paderborn geboren, war mal Musiker, ist dann über das Poetry-Slam-Format zum Filmemmacher, Veranstalter, Herausgeber, Poet und Workshopleiter geworden.

Schreibe eine Antwort