Nachlesen

Texte. Zum nachlesen.
Die Texte stehen nie ganz für sich, glaube ich. Sie sind eher zum hören da, aber hin und wieder kommt es vor, das Leute mal fragen, wo man sich das Gehörte noch einmal in Ruhe durchlesen kann. Hier.

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Hundejahre, Katzenleben (1.2017)

Aristokraten Katzen, heimatlose Hunde;
wachsen in derselben Straße auf,
treffen sich zur Schäferstunde.
Jahre später: Kunde und Verkäufer ,
im selben Supermarkt,
der Aristokrat zahlt passend für den Fisch
und wünscht noch ´nen guten Tag,
Steigt in den Käfer.
Im ersten Gang über’n Zebra-
Streifen und denkt nicht an die
Schäferzeiten.
Der heimatlose Hund indessen:
Zählt herdenweise Schafe.
Überlegt noch stundenlang,
ob die beiden sich vor Hundejahren,
In einem anderen Leben schon mal trafen.

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Hiobsmomente (8.2016)

(ursprünglich eine Auftragsarbeit für das Diözesanmuseum Paderborn, Thema war eine Hiobstatue aus der Caritas-Ausstellung)

Meine hölzerne Haut
Ist vom Holzwurm besessen
Schau durch meine Wurmlöcher
in verbrannte Momente
sie lassen mich nie vergessen

Sie sind meine Pein,
mein ein und alles
Fangen mich auf
Im Falle des Falles

Auf der Suche nach dem Grund
Stürzen wir in die Tiefe

Sind wir schon am Wendepunkt?
Auf dem Weg zurück nach oben?
Unter zitternden Sternen
Auf gefrorener Erde
Durch brennende Luft

Und jetzt hier, hier, hier
„Hier tut es mir leid, hier und hier.“, sagt er,

der Mann zieht (Bewegung, atmen)
zeigt auf seinen Kopf
seine Brust
und die Stelle, an der seine Lungen sein müssten.

Seine Lungen haben bestimmt Brandlöcher,

so wie das eine Hemd von mir, dass ich anhatte, während ich betrunken geraucht habe.

„Rauchen?“, fragt er mich.

Rauchen hemmt den Appetit und den hatte er schon länger nicht mehr,
aber solange man lebt, soll man rauchen.

Rascheln und Knistern, ein Klicken
der bläuliche Geruch von Tabak.
Moleküle in der Nase.
Gedanken im Kopf.

Er denkt:
Die Zeit schlägt Wurzeln
Wie Wunden auf der Haut,
die Nachts zu Portalen werden
aus denen all die Ängste
wie Milben gekrochen kommen

zerkratzter Schlaf
blutiges Bett
verkrusteter Morgen
Zerbombte Stadt

Brennende „Wundervögel“
Ganz ohne Auferstehung
Ganz ohne Wunder
Asche
Hat meine Zähne gelb gemacht,
Meine Gedanken düster

Meine hölzerne Haut
Ist vom Holzwurm besessen
Schau durch meine Wurmlöcher
in verbrannte Momente
sie lassen mich nie vergessen

Sie sind meine Pein,
mein ein und alles
Fangen mich auf
Im Falle des Falles

Braucht (das) Leben einen Grund?
Manche sagen, das Leben sei wie das Meer.
Manche sagen, das Leben sei eine Linie.
Manche sagen, das Leben sei eine Parabel,
mit seinen Tiefpunkten,

Aber wenn man bei Windstille am Strand steht,
sieht das Meer von weitem aus wie eine Linie, hinten am Horizont.

Dann, wenn man ganz nah ran geht,
erkennt man, das Auf und Ab der Wellen,
darunter ist irgendwo der Grund.
Gibt es keinen Grund, dann ist da nur die Tiefe, das macht uns manchmal Angst,
wie das entfernte Heulen von Schakalen,
das Klagelied des Windes, oder der Blick in den Spiegel

Noch einmal:
Braucht Leben einen Grund?
Es gedeiht auch in der Schwebe,
im Parabelflug
ohne Boden
ohne Pflug
an den widrigsten Orten
vielleicht sogar auf dem Mars
aber ganz sicher in der Wüste.
zwischen staubigen Palästen
die mehr sahen als der hölzerne Blick, die hölzerne Haut,
dieser Statue,
sie gingen durch Feuer und viele Hände
mag man ihre Momente auch vergessen, ist ihr Fall noch nicht zu Ende

Von da wo ich stehe, sieht man keinen Grund,
nur Formen,
die sich wiederholen, Dauerrotation,
morgens schon
und die Frage: Warum?

Es gibt keine Antwort
Wenn man keine Fragen stellt,
sicher,
sich niemals irgendetwas fragt
Aber nur weil man fragt, gibt es noch lange keine Antwort.

Ohne Frage; wir brauchen eine Antwort.

Ansonsten bewerfen wir uns grundlos gegenseitig mit
Falscher Schuld und
echtem Schund
So sind wir weniger Meer
Sondern der Grund

Wir sind die Holzwürmer in einer Hiobstatue

Während die sich wünscht, solange durch die Welt zu Stürzen, bis es wieder aufwärts geht,

fragen wir uns, was ist,
wenn das Holz, aus dem sie ist,
den Erdkern nicht versteht

statt zu begreifen:
wir sind das Chaos, die Krise
und die Wüste
Wir sind das Feuer und das Holz,
die Asche und der Wind, der sie zerstreut

Wir legen einander ins Bett
oder setzen uns in Brand

Wir sind der gründlichste Abgrund
Und unsere tiefste Untiefe
Wir sind die Milben,
das Jucken in der Nacht

wir selbst
beschenken uns mit Leid

…aber auch mit Leben

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Das Maisfeld im Wald (9.2015)

1. Das Signal

Ich sitze immer im Zug, wenn mir dieser Traum vom Maisfeld einfällt
Und fühl mich
Entrückt und versetzt
Verrückt und entsetzt
Delokalisiert
Wie wenn man im Zug telefoniert
Und das Signal verliert

„Hallo? Hörst du mich?“
Es wird nicht besser, wenn man schreit.
„HALLO? Die Verbindung ist… “
– Es wird nicht, besser wenn man schreit. –
So funktioniert das nicht.
Aber jeder im Zug weiß jetzt, dass du keine Verbindung mehr hast.
Trotzdem geht es weiter.
Ob du sitzen, bleibst, oder stehst,
dich hinlegst, oder gehst,
ob du willst oder nicht
-es zieht alles weiter, im Zweifel auch ohne dich
Darum heißen Züge auch Züge.
Und nicht Ziegen, oder Böcke, oder bockige Ziegen.
Denn wurde man Druck ausüben, oder schieben, gäb’s einen Schlag, mit dem Hinterlauf, lauf, lauf, auf, schlag lauf…
Lauf.
Kreis, lauf.
Wenn alles ein Kreislauf ist, warum dann vorwärts gehen?

Durch und durch und durch

2. Das Maisfeld im Wald

Jeder ist schon mal im Traum geflogen, oder gefallen.
Aber keiner, wirklich keiner, weiß wie man landet.
Weil man vorher aufwacht,
Aufschlag,
Lid-Schlag.

Ich sehe ein Maisfeld im Wald,
unten im Tal,
die Brücke darüber,
führt einen Weg aus Stahl –
in beide Richtungewiss,
unten ist
ein Maisfeld im Wald.

Das Fichtendickicht
Und das Eichengeäst bilden
Grüne Wände, kein Ende in Sicht,
in sich geschlossen,
ein Kreislauf aus Stahl gegossen.

Ich kann das Viadukt von hier nicht sehen.
Den Weg über’s Tal.
Alle können das verdammte Viadukt sehen, aber ich seh’s nicht.
Die Schienen, denen sie folgen,
den Streif aus Silber,
den roten Faden aus Stahl.

Das, was für dich ist, ist nicht für mich.
Aber ich bemühe mich.
Ich bemühe mich doch.
„Steht’s bemüht.“
Aber nie ganz da.
Nie ganz dabei,
bye, bye.
Alles zieht vorüber,
alles zieht vorbei,
dabei,
sieht man den Wald vor lauter Bäumen
und das Feld vor lauter Mais nicht?
Manchmal weiß ich,
manchmal weiß ich auch nicht.

Wie kann man sich überhaupt verirren, wenn man nie einen Weg hatte?

Irgendwo in der Schwebe, dreidimensional, nichtmal wissen, wo unten ist, unten…

3. Bridge/Brücke

„Hallo?
Wie tief? “
Da unten ist ein Maisfeld im Wald,
ich mittendrin, alles sieht gleich aus,
alles ein Kreislauf,
lauf,

Stop.

Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen,
und du kannst es nicht abstellen,
aber sich sag dir:
jeder ist schon mal im Traum geflogen. Oder gefallen. Aber keiner, wirklich keiner weiß, wie man landet, weil man dann aufwacht, (Aufschlag,) Lid-auf-schlag.

Alles läuft im Kreis, alles zieht vorbei. Auch wenn keiner weiß,

wie das alles geht, kann ich immer noch bleiben,

und fragen,

wie’s dir geht.

-„Hallo. Wie geht es dir?“

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Axolotl (12.2014)

tumblr_na3lzyAvfk1r4zr2vo2_r3_500Präteritum
Ich konnte nie an Land atmen,
denn mir fehlten die Lungen-Flügel
hatte ich auch nicht, nur

Beine?
Wurden mir häufiger gemacht und trotzdem hatte ich keine
Die mich dahin brachten,
wo ich hin wollte.
An Land in die für mich unerreichbare
Welt hinter der Glaswand,
doch lieh man mir einen Bleistift
Entließ ich Flossen aus Graphit
Aus dem Blei in meiner Hand
damit lernte ich Schweben
In dem Teich, den sie „Leben“ nennen

Leben?
Läuft. Reverse. Revue –
Passieren lassen sich manche scheinbar gar nicht, wie ihr Leben so läuft, oder lief,
laufende Kosten decken, lenkt davon ab, wann alles anders wurde als mit
zwölf.
Elf
Sehen,

Ich hab das Gefühl, das es Menschen gibt,
die ich seit dem Versteckspiel damals nie wieder gesehen habe,
was zum Teil daran liegt,
dass die Kinder in meiner Straße mich nicht mochten,
Und wenn ich mit Suchen dran war, sind sie einfach reingegangen und haben Playstation gespielt.
Das war scheiße,
aber irgendwann habe ich aufgehört den Grund dafür zu suchen.
Den Grund dieses Teichs, dieser Straße, nach ihnen abzusuchen.
Und die spielen dafür vielleicht bis heute noch Playstation 2-3-

4- 5 Jahre oder so
Sucht man nach anderen Sachen
Lange, lange Suchen nach anderen Sachen
Menschen,
Grenzen,
Gründen
Wegen
Weswegen… Weswegen
Wusste ich nie wohin?
Wuchsen den Leuten um mich herum
Das erste Mal Flügel aus Sinn-los-
Gezogen um das Larvensein zu verlassen,
Doch um sagen zu können, da will ich hin
Muss man vielleicht erst ein-
mal wissen,
da komm ich her
und ich lernte ihn kennen,
einen der zwei Ursprünge meiner selbst
aber beim Betreten seiner Welt
fällt mir sofort auf
es fehlt die Magie
Es gibt keine Magie.

Vielleicht in deiner Welt,
in der geschiedene Elternpaare so was wie Freunde bleiben
leider gibt es sie nicht.
Magie
Eine Erkenntnis, wie ein Schlag ins Gesicht
Meine Flossen aus Graphit,
klingen schwer wie Granit
Holen mich auf den Asphalt
Dabei sind sie ganz leicht,
ehrlich ganz leicht,
aber die Schwerkraft glaubt mir nicht
denn es klingt ja fast gleich
Es knallt und es knallt und es knallt
Und etwas knackt und etwas knickt
Ein Geräusch, wie wenn ein Bündel Bleistifte bricht
Doch auch mit gebrochenen Bleistiften kann man noch malen
Und ich zeichne weiter Flossen aus Graphit
Mit dem Blei in meiner Hand
Denn meine Flügel sind Flossen
und meine Flossen aus Graphit
Damit kann ich schweben,
unter Wasser,
in dem, was ich
Präsens nenne.

Er springt
Sie springt
In die
Luft
Luft
Luft
Luft
Atmen lassen mich Kiemen
Schon mein Leben lang
Leben? Läuft bei mir…zur:
Luft
Luft
Luft
Luftzu
Luftzu-
Fuhr – tur I

Meine Augen-blicklich
Blickdicht
Versiegelt
Werde mich Wiegen, selbst
Auf elliptischen Bahnen
In epileptischer Welt
Grell
Der Himmel über uns ist nicht aus Glas
Sondern verputzt und aus Plastik
Spastisch
Sparsam mit Worten

Treffen wir uns wieder
ohne uns nach Suchen zu finden
Dieselben – oder die gleichen?
Von Eben
Wesen von damals, eben,
Jetzt aus anderen Straßen
Doch auch hier – keine Magie
Finden nichts mehr von
Früher… beim Playstation spielen
Wolltest du schon zum Bund

Nun tauschtest du den Grund
dieses Teichs
Gegen Wüstensand, – weiß, nicht,
wäre dein Blei
Vielleicht zu etwas anderem geworden
Hätte ich dir damals nicht immer deine Stifte genommen
Oder sie mir zumindest nur geborgt

Du minus deine Stifte
Gleich… ich
Plus Plus
Plus-quam-
perfekt:
Du hattest eine Entscheidung
getroffen
Entlockte Erinnerungen
Aus der Konserve,
geöffnet, Vakuum,
Luft Luft Luft
Büchse geladen

Ich spar mir das Pathos
Du in deiner Wüste
Ich in meinem Teich
Es gibt Blei und Blei
Vielleicht ist
Beides Möglichkeit
Vielleicht
Haben wir beide Durst
Ich in meinem Teich,
du in deiner Wüste,
nach diesem Erwachsenwerden,
von dem immer alle sprechen

Und jeder bricht mal das Glas
Verlässt diesen Teich
Abgetaucht
In verstauchten Kreisen
Wir umeinander
In Jahreszyklen,
laichen regelmäßig
(zur Weihnachtszeit)
im Heimat-Teich
In dem alles
Blei Blei bleibt
Wie es ist
Zum
Bleistift
Treibt dich
dein
Heimurlaub
In den Konjunk-
Tief unter Wasser
hier
Könnten wir uns erwachsen trinken

„Vielleicht könnten wir mal wieder einen trinken…“
Vielleicht
Nicht,
Nach all den Rückschlägen
Haben wir uns diesen Vorschlag gespart
Denn wir sind scheinbar doch erwachsen genug um zu wissen,
dass man das nur so sagt

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Urbanes Klagelied III – Bewegung (2012)

Im Dickicht der Kleinstadt
da regt sich was
unter dem Asphalt
bewegt sich etwas

Dinge gehen vor sich
kaum zu begreifen
versteckt unter Schuhsohlen
und Autoreifen

Auf dem Schwarz dieser Stadt
ist noch Platz für Kontraste

1 Bild-
1000
Worte an Wänden
Rufen dazu auf
Die Tristesse zu beenden

Hört! Hört!
Unter rauschen und rascheln
Sind Gedanken und Ideen
kein Mund kann sie sprechen
kein Kopf sie verstehen
Neue Gedanken!
bringen die Erde zum beben
das Gefängnis ins Wanken

Die Gerüchteküche brodelt
– vielleicht ist was dran,
wir sind kurz vor der 1
Zeit für einen Anfang

Zwischen Hand und Verstand
Ist der Körper und das Herz
fangt an euch zu bewegen
Den Takt sagt euch das Herz

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Vögel auf Stromleitungen (09.2014)

Vögel auf StromleitungenAlles bewegt sich.
Alles wird gleich.
Alles bleibt anders.
Nichts ist schwarz-weiß.
-Und erst recht nicht einfach.

Mir ist schwindelig

Alles wie immer
Alles war besser
Alles wird schlimmer
Also alles wie immer
Gestern.
Danach heute:

Manchmal bleiben wir stehen
Versuchen einzusehen:
Was uns vereint,
Ist was uns verneint.
Was uns verneint
Ist was uns vereint
Und dann die Erkenntnis:
wir verstehen eigentlich gar nichts –
und haben viel zu viel Verständnis

Die Welt ist mir zu hoch
Mir ist schwindelig
Es regnet so laut,
ich höre nichts
schaue ich in den Spiegel
seh’ ich nur das, was da ist
ich, ich, ich
nur ich…

Mir ist schwindelig

Wir sind allein.

Auf dünnen Drähten
Fand ich den Weg zu dir,

verbunden durch frühe Fehler
stehen wir kurz hier
wir für uns
und jeder für sich
Mir ist schwindelig

Und jeder weiß
das alles zerreißt

Bist du gesegnet,
mit der Tugend dieser Zeit,
dann ist dein Weg geebnet
mit Unverbindlichkeit

Mir ist schwindelig

Alles bewegt sich.
Alles ist gleich.
Alles bleibt anders.
Nichts ist schwarz-weiß.
-Und erst recht nicht einfach.

Als Produkt von Langeweile,
als Ergebnis unserer Zeit
Sprechen wir BUNT
Auf beiden Seiten des Regens
Spreizen die Lippen, gemacht aus Ahnungslosigkeit
Und lassen alles rein.
Alles raus

Mir ist schwindelig

Die Augen aus Glas.
Glas – leer
Leer. Mehr. Mehr.
Unsere Bäuche voll, schwer
Und die Flügel aus Leichtsinn
Zum Fliegen zu schön,
Die Federn könnten welken
Darum bleiben wir schmuckhaft stehen
und stecken,
haften am Stand
In Eitelkeit Amen
Und die Welt regnet
standhaft weiter, weiter, weiter

Mir ist schwindelig

Den Schatz, den wir erbten
weiß keiner zu schätzen;
Und jeder Aufstand beginnt,
Sich wieder zu setzen

Die Welt dreht sich weiter
Und ich halt mich an ihr fest
Die Füße unter Strom
Ich flieg trotzdem nicht weg

Hätt’ ich eine Stimme,
hätte ich auch was zu sagen.
Hätte ich Verstand,
Hätte ich die Welt dann verstanden?

Mir ist schwindelig

Alle machen doch nur ihren Job
Alle machen doch nur ihren Job
Nicht mehr
Nicht weniger

Wir ertragen so viele
Einträge
Verträge
Anträge
Halten uns an diesen Wolken fest
In Sicherheit wiegen, bis zuletzt
Alles ist statisch
Aber eigentlich haltlos
Denn wenn die Revolution kommt
Wirst auch du deinen Job los

Du hast nichts
Die Welt ist zu hoch
Dir wird schlecht –
Und schwindelig

Auf der Suche nach mehr
Auf der Suche nach Sinn
Alles vor uns ist leer
Alles vor uns ist weiß
Ein letztes Mal stehen
Und wir drehen uns im Kreis

Schwindelig
Als wir uns wie Windmühlen durch den Windwühlen
…Dann fliegen

Alles bewegt sich.
Alles wird gleich.
Alles bleibt anders.
Nichts ist schwarz-weiß.
-Und erst recht nicht einfach.
Also alles wie immer.

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Seemann

Irgendwo auf dem Meer;tumblr_mjraklp6WJ1qiszkuo1_500
der Wind lässt nichts stehen und liegen
Wellen wehen und wiegen
dazwischen: du auf einem Floß
die Regentropfen, Kürbis-groß
Blitze zacken und zicken
versuchen dir das Floß zu zerkicken

Was trieb dich hinaus,
hier auf die raue See?
Es war…
Dein Kompass
Ein Gedanke, eine Idee.
Doch bist du
Schon an der Inspiration gescheitert
Nicht weitergekommen,
hast schon im ersten Moment,
wieder Abschied genommen,
von der Idee die dich Küsste,
sie hat dich berührt.
du hast das Ergebnis schon
In deinen Händen gespürt.

Land war in Sicht
Du hattest Rückenwind
und genügend Licht
doch
Du hattest ANGST
Du hattest Angst wegzuwehen,
wenn der Wind sich dreht,
hast dich deshalb selbst,
vorsorglich in Ketten gelegt.
Jetzt ist dein Kopf voll Wind,
doch du kannst die Segel nicht hissen,
denn
du hast den Anker, mit all den Vorsätzen
über Bord geschmissen
du bist
zu rastlos, zum Ruhen
aber zu feige zum Tun

Und während du rastlos ruhst
Und nichts dabei tust,
verdunkelt sich das Licht
und es ist kein Land mehr in Sicht
So treibst du umher,
irgendwo auf dem Meer,
der Wind lässt nichts stehen und liegen,
die Wellen wehen und wiegen,
du auf deinem Floß,
die Regentropfen Kürbis-groß
Blitze zacken und zicken
versuchen dir das Floß zu zerkicken

du drohst zu versinken
in Kummer und Leid
zu stranden in der Trostlosigkeit
denn der Rückweg ist dir zu weit

Wie ist das möglich?
Wie kann das sein?
Du sprudelst immer über vor Ideen,
kannst das Ziel schon sehen,
doch der Weg erschließt sich dir nicht

du findest immer mal wieder etwas,
dass dir Flügel verleiht
doch sagst du dir selbst genauso oft,
der Weg sei zu weit

du verlässt erst den Hafen
Dann verlässt dich der Mut
Zurück bleibt nichts
Als Frust und Wut

Du bist zu rastlos zum ruhen
Aber zu faul zum Tun

Dann irrst du umher,
ziellos, beinahe blind,
wütend, wie du bist
wirfst du Worte in den Wind

„Es hat ja alles keinen Sinn
es führt ja nirgendwo hin
Wie kam ich hier her?
Was brachte mich hier raus aufs Meer?“

So treibst du immer noch auf hoher See
Bist Seekrank, alles tut dir weh
der Wind lässt nichts stehen und liegen,
die Wellen wehen und wiegen,
du auf deinem Floß,
die Regentropfen Kürbis-groß
Blitze zacken und zicken
versuchen dir das Floß zu zerkicken

Du warst zu faul und zu feige
Deine Ideen zu leben
Nach deinen Zielen zu streben
Erst warst du besessen
Dann hast du deinen Kompass vergessen
Erinnere dich.
Du hast dir selbst die Flügel gestutzt
Du hast den Anker geworfen
Du hast dich in Ketten gelegt
Du hast die Segel eingeholt
Du hast Abschied genommen

Dein KompassIvans-childhood
Es war ein Gedanke, eine Idee
Er trug dich fort, bis auf die See

Land in Sicht,
siehst du es?
Zwischen den Wolken,
da ist Licht

Der Gedanke trägt dich weiterSeeman
Fang an deinen Kompass zu nutzen
Hör auf dir selbst die Flügel zu stutzen
Lass den Wind aus deinem Kopf
Hör auf zu ruh’n
Fang an zu tun
Anker rein
Segel raus
Spreng die Ketten
Geradeaus
Da ist Strand,
da ist Sand
du kommst an
der Weg …war die ganze Zeit
in deiner Hand

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Niemandsland (06.2014)

Über das Gefühl, wenn man nicht willkommen ist.

Es wurde alles gesagt,
aber noch nicht von mir
Auf Bordsteinen
Und Straßenrändern
Stehen die Fressen Spalier
Mit dem Pinsel in der Hand
Wartend auf den Messias aus Papier

Man fühlt sich verfolgt,
bedroht und beengt.
Wird der eigene Name
auf ein Stückchen Bedeutung gezwängt,

Deshalb nahm ich meinen,
Vergrub ihn im Dreck
Denn den, nehmen die mir
Nicht auch noch weg

Ich gab doch schon alles
Und ließ mir nichts nehmen
In der Hoffnungs das was bleibt
Doch. Hier. Bleibt. Alles. – stehen

In der einen Hand nur Pathos
In der anderen höchstens Kitsch
Dieselbe strecke ich aus,
halte sie ins Licht
vielleicht bringt das ja was
was anderes bleibt mir nicht

Und so wandele ich wie so oft
zwischen Nebel und Bäumen
Um ein Ziel zu finden
Und vom Leben zu träumen

Die Schwarzen, auf den Bäumen
Kotzen Krähenschreie aus
„Los, kehr um,
geh (zurück) Nachhaus“
Doch gibt es kein Zuhause –
Gebaut wurde ein Heim
In lauter Heimatlosigkeit
Ein Kissen auf Stein
Ein Warten auf Zeit

Nimm meine Hand, Feuer
Und du die andere, Nacht
Gebt mir einen Gedanken,
der alles besser macht und
Tragt mich aus der Welt,
in der ich schwimme…
wie ein Vogel im Meer
wie ein Fisch, auf Beton und Teer

Doch Hand und Kopf bleiben leer
Rauch
Schall
Ein Blick raus ins All
Zeigt den Himmel verwolken,
und alle Möglichkeiten – gemolken

Gelandet im Land
Ohne Grund, ohne Wert
Gelandet im Land
In das niemand gehört

Mit Steinen auf dem Herzen
Löchern im Magen
Beim Anblick der
nächtlichen Idiotenparaden

Man reiht sich mal ein
hebt den Arm zum Gruß
auf verbrannter Erde
es riecht noch nach Ruß

Du hast Scheiße am Profil
Und bittest um Asyl
Niemand holt dich aus dem Niemandsland!
Das hier ist das letzte Exil.

Trotzdem:
Die Schwarzen, auf den Bäumen
Kotzen Krähenschreie aus
„Los, kehr um,
geh (zurück) Nachhaus“
Doch gibt es kein Zuhause –
Gebaut wurde ein Heim
In lauter Heimatlosigkeit
Ein Kissen auf Stein
Ein Warten auf Zeit

Ein Kopf, wie ein Gummireifen
Es geht immer voran,
aber die Gedanken kreisen
Hals über Kopf
Immer um dieselbe Achse
Über Stock und Stein
oder auch mal eine Katze

Leere, Stillstand,
Pathos und Dreck
Ist alles was uns bleibt,
das nimmt uns niemand mehr weg

Hebst du deinen Arm
verlassen wir das Land
Alles wird gehen
alles in Brand
Nur unser Zeichen bleibt stehen

Die Fressen stehen Spalier
Nehme meinen Namen,
den Rest lass ich hier
vermisch mich mit der Menge
mal sehen, was passiert
bin schwarz
bin weiß
aber kein Messias aus Papier

Niemandsland