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Axolotl (12.2014)

tumblr_na3lzyAvfk1r4zr2vo2_r3_500Präteritum
Ich konnte nie an Land atmen,
denn mir fehlten die Lungen-Flügel
hatte ich auch nicht, nur

Beine?
Wurden mir häufiger gemacht und trotzdem hatte ich keine
Die mich dahin brachten,
wo ich hin wollte.
An Land in die für mich unerreichbare
Welt hinter der Glaswand,
doch lieh man mir einen Bleistift
Entließ ich Flossen aus Graphit
Aus dem Blei in meiner Hand
damit lernte ich Schweben
In dem Teich, den sie „Leben“ nennen

Leben?
Läuft. Reverse. Revue –
Passieren lassen sich manche scheinbar gar nicht, wie ihr Leben so läuft, oder lief,
laufende Kosten decken, lenkt davon ab, wann alles anders wurde als mit
zwölf.
Elf
Sehen,

Ich hab das Gefühl, das es Menschen gibt,
die ich seit dem Versteckspiel damals nie wieder gesehen habe,
was zum Teil daran liegt,
dass die Kinder in meiner Straße mich nicht mochten,
Und wenn ich mit Suchen dran war, sind sie einfach reingegangen und haben Playstation gespielt.
Das war scheiße,
aber irgendwann habe ich aufgehört den Grund dafür zu suchen.
Den Grund dieses Teichs, dieser Straße, nach ihnen abzusuchen.
Und die spielen dafür vielleicht bis heute noch Playstation 2-3-

4- 5 Jahre oder so
Sucht man nach anderen Sachen
Lange, lange Suchen nach anderen Sachen
Menschen,
Grenzen,
Gründen
Wegen
Weswegen… Weswegen
Wusste ich nie wohin?
Wuchsen den Leuten um mich herum
Das erste Mal Flügel aus Sinn-los-
Gezogen um das Larvensein zu verlassen,
Doch um sagen zu können, da will ich hin
Muss man vielleicht erst ein-
mal wissen,
da komm ich her
und ich lernte ihn kennen,
einen der zwei Ursprünge meiner selbst
aber beim Betreten seiner Welt
fällt mir sofort auf
es fehlt die Magie
Es gibt keine Magie.

Vielleicht in deiner Welt,
in der geschiedene Elternpaare so was wie Freunde bleiben
leider gibt es sie nicht.
Magie
Eine Erkenntnis, wie ein Schlag ins Gesicht
Meine Flossen aus Graphit,
klingen schwer wie Granit
Holen mich auf den Asphalt
Dabei sind sie ganz leicht,
ehrlich ganz leicht,
aber die Schwerkraft glaubt mir nicht
denn es klingt ja fast gleich
Es knallt und es knallt und es knallt
Und etwas knackt und etwas knickt
Ein Geräusch, wie wenn ein Bündel Bleistifte bricht
Doch auch mit gebrochenen Bleistiften kann man noch malen
Und ich zeichne weiter Flossen aus Graphit
Mit dem Blei in meiner Hand
Denn meine Flügel sind Flossen
und meine Flossen aus Graphit
Damit kann ich schweben,
unter Wasser,
in dem, was ich
Präsens nenne.

Er springt
Sie springt
In die
Luft
Luft
Luft
Luft
Atmen lassen mich Kiemen
Schon mein Leben lang
Leben? Läuft bei mir…zur:
Luft
Luft
Luft
Luftzu
Luftzu-
Fuhr – tur I

Meine Augen-blicklich
Blickdicht
Versiegelt
Werde mich Wiegen, selbst
Auf elliptischen Bahnen
In epileptischer Welt
Grell
Der Himmel über uns ist nicht aus Glas
Sondern verputzt und aus Plastik
Spastisch
Sparsam mit Worten

Treffen wir uns wieder
ohne uns nach Suchen zu finden
Dieselben – oder die gleichen?
Von Eben
Wesen von damals, eben,
Jetzt aus anderen Straßen
Doch auch hier – keine Magie
Finden nichts mehr von
Früher… beim Playstation spielen
Wolltest du schon zum Bund

Nun tauschtest du den Grund
dieses Teichs
Gegen Wüstensand, – weiß, nicht,
wäre dein Blei
Vielleicht zu etwas anderem geworden
Hätte ich dir damals nicht immer deine Stifte genommen
Oder sie mir zumindest nur geborgt

Du minus deine Stifte
Gleich… ich
Plus Plus
Plus-quam-
perfekt:
Du hattest eine Entscheidung
getroffen
Entlockte Erinnerungen
Aus der Konserve,
geöffnet, Vakuum,
Luft Luft Luft
Büchse geladen

Ich spar mir das Pathos
Du in deiner Wüste
Ich in meinem Teich
Es gibt Blei und Blei
Vielleicht ist
Beides Möglichkeit
Vielleicht
Haben wir beide Durst
Ich in meinem Teich,
du in deiner Wüste,
nach diesem Erwachsenwerden,
von dem immer alle sprechen

Und jeder bricht mal das Glas
Verlässt diesen Teich
Abgetaucht
In verstauchten Kreisen
Wir umeinander
In Jahreszyklen,
laichen regelmäßig
(zur Weihnachtszeit)
im Heimat-Teich
In dem alles
Blei Blei bleibt
Wie es ist
Zum
Bleistift
Treibt dich
dein
Heimurlaub
In den Konjunk-
Tief unter Wasser
hier
Könnten wir uns erwachsen trinken

„Vielleicht könnten wir mal wieder einen trinken…“
Vielleicht
Nicht,
Nach all den Rückschlägen
Haben wir uns diesen Vorschlag gespart
Denn wir sind scheinbar doch erwachsen genug um zu wissen,
dass man das nur so sagt

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Über den Autor

Veröffentlicht von

Dean Ruddock wurde 1992 als Frühlingskind im für ihn prägenden Paderborn geboren. In den Nachbardörfern dieser Stadt verbrachte Dean seine Kindheit zwischen Rapsfeldern und Legosteinen. Er entdeckte noch im Schulalter das Poetry-Slam-Format für sich, landete mit seinen Auftritten schnell Erfolge und gewann zum Beispiel den OWL-U20-Slam 2010. Heute zieht Dean als Musiker, Spoken Word-Artist, und Slam Poet durch die Lande. Die metaphorisch verpackten, Gedanken des Paderborners spiegeln das Zeitgefühl der Postmoderne wieder. Dean gewann 2013 die Paderborner Stadtmeisterschaft und 2014 den zweiten Paderborner Videoslam. Als Student der Populären Musik und Medien der Uni Paderborn übernahm er 2012 die von Sulaiman Masomi 1998 gegründete „Lyriker Lounge“ und gründete 2015 zusammen mit anderen, regionalen Künstler_innen das Kunstformat „Das ubiquitäre Quintett“. Er ist Organisator der Konzertreihe „Popkon“ im Café Kleidsam, Ausrichter des Paderborner Videoslams und anderer Veranstaltungen. Seit 2014 führt er in Zusammenarbeit mit der Lektora GmbH und Karsten Strack Poetry Slam-Workshops in Schulen und anderen Einrichtungen durch. -Robin Laufenburg

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